31. März 2008...21:17

collective vs. collaborative

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Thomas Vander Wal schrieb in seinem Blog Personal InfoCloud am 29. März über den Unterschied zwischen collective und collaborative, zwei Terme, die fast identisch definiert werden, sich aber laut Vander Wal sehr wohl unterscheiden, wenn es um Social Software geht.

Im Cambridge Advanced Learner’s Dictionary zum Beispiel wird collective als “of or shared by every member of a group of people” definiert, während collaborative als “involving two or more people working together for a special purpose” definiert wird. Diese Definitionen helfen auch Vander Wals Unterscheidung der beiden Begriffe in Bezug auf Social Software zu verstehen.

Vander Wal nimmt vor allem Anstoß daran, dass im Folksonomy-Eintrag auf Wikipedia Folksonomy mit collaborative tagging gleichgesetzt wird, was seiner Meinung nach falsch ist. Wie definiert er nun die beiden Begriffe?

Bei collective gibt es drei Ebenen: 1. Das Objekt, das diskutiert wird, 2. die Disskussion oder die Annotation über das/des Objekt/s, 3. die Menschen, die das Objekt annotieren oder diskutieren. Die Meinungen und Annotationen der Menschen werden voneinander getrennt, da sie jeweils individuell erstellt werden. Diese individuell erstellten Meinungen und Annotationen können jedoch vereinigt werden und im Gesamten angezeigt werden, wodurch eine Folksonomy ermöglicht wird. Auf Delicious zum Beispiel kann man dadurch sehen, wie viele Menschen eine URL mit einem bestimmten Term taggen. Es können jedoch auch die verschiedenen Perspektiven der Nutzer aus den vergebenen Tags zu einer Ressource abgeleitet werden. Zum Nutzen, der dadurch entsteht, äußert sich Vander Wal folgendermaßen:

The deep and rich value in tagging from a folksonomy perspective is created in the collective structure of tagging with the individual voices held separate around the understanding of the individual. The ability for anybody and everybody to tag and annotate an object and have their perspective captured is a very strong value for each individual who has hopes of refinding the object in their own perspective and context, as well as having others whom have similar understanding find the same object.

Collaborative hingegen bedeutet für Vander Wal, dass die Individuen zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Vereinbarung zu erarbeiten:

The collaborative approach has individuals contributing understanding of their perspective of an object, but it done so with everybody working together to build one understanding (often a comprehensive understanding), but often with the aim of the work building the understanding out of one voice capturing many perspectives.

Eine Wiki-Seite zu einem bestimmten Thema wird oft als Beispiel für collaborative herangezogen. Als ungefähres Synonym für collaborative Tagging führt Vander Wal narrow folksonomy an. Flickr ist zum Beispiel eine narrow folksonomy. (Mehr Informationen zu narrow folksonomy und dem Gegenteil broad folksonomy finden sich hier!) Auf Flickr werden die Bilder meist nur von den Nutzern, die das Bild hochladen, getaggt und jeder Tag wird nur einmal vergeben. Vander Wal wünscht sich zum Beispiel mehr collective Tagging auf Flickr, so dass alle Nutzer ein Bild mit ihren eigenen Tags versehen können. In einer broad folksonomy wie Delicious ist dies möglich. Dort kann jeder Nutzer individuelle Tags für eine Ressource vergeben und Tags können mehrmals verwendet werden. (Siehe oben bei collective!)

Mir selbst war diese Unterscheidung von collective und collaborative nicht bewusst, ich finde sie jedoch sehr gut und sehr wichtig. Bei der Literaturrecherche für meine Magisterarbeit und beim Lesen der Artikel bin ich teils auch auf die von Vander Wal als falsch bezeichnete Gleichsetzung von Folksonomy und collaborative Tagging gestoßen. Wenn es jetzt bald daran geht, den theoretischen Teil meiner Magisterarbeit zu überarbeiten, werde ich diese Unterscheidung auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und gegebenenfalls mit einbauen.

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