3. Juli 2008
So schön kann Überwachung sein…
Über datenschutz-ist-bürgerrecht.de bin ich auf folgendes Video gestoßen, das einen anderen Blickwinkel auf ständige Überwachung vermittelt!
Über datenschutz-ist-bürgerrecht.de bin ich auf folgendes Video gestoßen, das einen anderen Blickwinkel auf ständige Überwachung vermittelt!
“Die Idee vom Internet als egalitäre Digitalwelt hat sich als Illusion herausgestellt. Warum gibt es eigentlich keine Anti-Web-Bewegung? Ein Gründungsaufruf”
Auf Zeit-online findet sich ein schöner Artikel von Martin Ganteföhr mit dem Titel “World Wide Wahn”. Darin beschäftigt er sich mit der Frage, warum es eigentlich keine Anti-Web-Bewegung gibt und warum das Internet im Gegensatz zu vielen anderen technologischen Neuerungen auf so wenig Widerstand stößt.
“Das Internet ist von den großen Erfindungen der Menschheit die erste, die alle gut finden. Wirklich jeder. Es gibt keinen radikalen Protest. Keine Fundamentalopposition. Es gibt keine Anti-Internet-Bewegung. Warum eigentlich nicht?”
“Ansonsten aber: Funkstille. Das Netz, so scheint es, ist unantastbar. Nicht mal die Hamas ist dagegen. Womöglich hat sie zwischen Spamlöschen, Podcasten, Mobloggen, Downloaden, Flickrn und generellem Hipsein einfach nicht die Zeit gefunden. Trotzdem wird es nach nunmehr fünfzehn Jahren besinnungslosem Gesurfe erlaubt sein, einmal zu fragen, woher das Internet eigentlich seinen konkurrenzlos guten Ruf hat. Und ob es ihn verdient.”
Ganteföhr kommt in diesem Zusammenhang auf die Vision des Global Village zu sprechen, d.h. das Internet als freier Raum, in dem Grenzen überwunden werden, Informationen fließen, der aber auch zu Reichtum verhelfen kann. Jedoch ist von dieser Vision nicht viel übrig geblieben.
“Von diesem Schmalz zehrt das Netz bis heute. Mit der Realität hat er wenig gemein. Denn wie alle Erlösungslehren gibt es auch das Internet in zwei Versionen: als zusammenfantasiertes Pixelparadies, siehe oben, und als real existierenden, autoritären Moloch. Von den Dingen, die die reine Lehre versprach, sind wenige eingetroffen. Die genauen Gegenteile dafür umso öfter.”
Im Folgenden bezieht er sich zum einen auf den Börsencrash von 2000 als die Internetblase und damit der Traum vom Reichwerden für viele platzte. Auch die Idee von der Hierarchielosigkeit hat sich nicht erfüllt, im Gegenteil ist das Internet laut Ganteföhr an Hierarchie kaum zu übertreffen. Beispiele hierfür sind die Ranglisten, Bestenlisten, Trefferlisten usw. der Suchmaschinen. Durch Google schließlich ist das Internet zur “Alles-Maschine” geworden:
“Mit Google als Motor ist das Internet endgültig zur Alles-Maschine geworden. Wir erleben in Echtzeit, wie es unser Leben nicht nur vereinnahmt, sondern identisch mit ihm wird. Bei privater Kommunikation, Partnerschaftsanbahnung, Job- und Wohnungssuche fängt es an. Und es hört bei geschäftlichem Datenverkehr, öffentlicher Infrastruktur und Finanzwesen noch lange nicht auf.”
Und trotzdem erfreut sich das Internet weiterhin der Beliebtheit aller.
“In der Netzwelt existiert nur noch, wen man googlen kann. Und so verbringen die Nutzer ihre Zeit mit einem permanenten digitalen Hallo-hier-bin-ich, einem Wirrwarr aus Weblogs, Bildern, Forumsbeiträgen und Kumpel-Listen, in denen man sich vor allem eines gegenseitig bestätigt: auch da zu sein.”
Dabei wird dann häufig vergessen, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung, ja sogar der größte Teil bisher noch nicht am Internet beteiligt ist, dass zum Teil ganze Kontinente wie Afrika fast völlig fehlen. Die Mehrheit der Datenströme wird in Nordamerika und Europa produziert. Man spricht hier vom sogenannten Digital Divide. Somit wird die Vision eines Global Village nicht erfüllt. Und wo bleibt da jetzt die Anti-Web-Bewegung?
Der Autor, Martin Ganteföhr, ist Game Designer, online seit 1994, surft mit dem Handy und ist Besitzer einer UMTS-Mobilkarte.
Meiner Meinung nach ein sehr interessanter Artikel, der dazu anregt, in gewissen Punkten kritisch über das Internet nachzudenken. Ich selbst bin eine begeisterte Internet-Nutzerin und kann mir ein Leben ohne kaum noch vorstellen. Allerdings vergisst man in seiner eigenen Begeisterung über das Internet tatsächlich häufig, dass es immer noch viele Menschen gibt, die keinen Zugang zum WORLD wide web haben. Ein Missstand, der aufgehoben werden sollte und worum es sich lohnt zu kämpfen. Desweiteren ist es wichtig, eine gewisse kritische Grundhaltung gegenüber dem Internet zu bewahren und nicht alles bedingungslos zu befürworten.
“Er träumte von einem Weltnetz der Information, das Bücher, Filme und Tonaufnahmen verbindet. Nun wird der Belgier Paul Otlet als Vordenker des Internet wiederentdeckt.”
Auf Spiegel-Online wurde diese Woche eine Artikel über Paul Otlet veröffentlicht, einem Vordenker des Internets, der bisher kaum Beachtung gefunden hat. Der belgische Bibliotheksexperte hat das Mundaneum mit aufgebaut, ein Karteikartensystem, in dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Weltwissen erfasst wurde.
“Rückblickend erscheint das Mundaneum wie eine Art analoge Suchmaschine, ein Papier-Google. Statt aus riesigen Serverfarmen bestand es aus einem schier endlosen Spalier hölzerner Karteikästen, seit 1920 untergebracht im herrschaftlichen Palais Mondial im Zentrum von Brüssel.”
Paul Otlet hatte die Vision von Multimediamaschinen:
“Er plante nun Multimediamaschinen, die Buch und Telefon, Fernsehen und Radio verbinden. Er grübelte über papierlose Arbeitsplätze, an denen sich per Telefonnetz Bücher und Filme aufrufen ließen. Das Publikum sollte ‘vom Sessel aus’ nicht nur durch die Welt des Wissens navigieren, sondern auch ‘applaudieren, Ovationen geben und im Chor singen’, so Otlet: ‘Vor unseren Augen entsteht eine gigantische Maschinerie für die geistige Arbeit.’”
Eine Vision, die doch sehr stark an das Internet erinnert. Paul Otlet hatte wohl sogar schon die Vision von einem Semantic Web:
“Otlet wollte zum Beispiel Informationshappen nicht nur einfach verlinken wie im World Wide Web. Er schlug vielmehr intelligente Links vor, die zusätzlich auch Informationen über Wahrheitsgehalt und Kontext beinhalten. Semantic Web wird das heute genannt, und noch immer tüfteln die klügsten Köpfe an der praktischen Umsetzung.”
Allerdings stießen Otlets Visionen Anfang des 20. Jahrhunderts auf Unverständnis und er wurde 1934 aus dem Mundaneum geworfen. Zehn Jahre später starb er. Jedoch sollte ihm zumindest heutzutage Respekt für seine Visionen gezollt werden. Immerhin haben sich mit dem Internet einige seiner Visionen erfüllt.
Prof. Dr. Rudi Keller von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat einen Artikel mit dem Titel “Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht?” veröffentlicht. Seine Hauptthese lautet dabei:
“Was wir als Sprachverfall wahrnehmen ist der allgegenwärtige Sprachwandel, aus der historischen Froschperspektive betrachtet.” (S. 4)
Im Laufe des Artikels führt er schließlich mehrere Beispiele an, die belegen, dass es im Deutschen keinen Sprachverfall, sondern einen Sprachwandel gibt. Sprache entwickelt sich weiter, wie sie es schon immer getan hat. Und dieser Sprachwandel hat stets negative Reaktionen hervorgerufen, die sich dann im Laufe der Zeit wieder gelegt haben, weil man sich ganz einfach an die Veränderungen in der Sprache gewöhnt hat. Er spricht dabei auch die allseits verkündete Bedrohung des Deutschen durch zu viele Anglizismen an und schließt seinen Artikel mit folgendem Satz:
“Auch in Bezug auf die vermeintliche Bedrohung des deutschen durch fremde Elemente können wir feststellen: Sie ist geringer als vermutet; und selbst wenn sie erheblich wären, würde dies der Sprache auf lange Sicht weder funktional noch ästhetisch Schaden zufügen. Sprachzustände sind keine Endzustände von Prozessen, sondern flüchtige Episoden in einem potentiell unendlichen Prozess kultureller Evolution. Zu Sorge besteht kein Anlass - oder, wie Professor Rainer Wimmer, der ehemalige Direkter des Instituts für Deutsche Sprache, es einmal ausdrückte: ‘Die deutsche Sprache ist gut in Schuss.’” (S. 10)
Prof. Dr. Rudi Keller sieht den Sprachwandel also durchaus positiv und distanziert sich von den negativen Reaktionen, die die vielen Anglizismen und sonstigen Veränderungen hervorrufen und die nach Meinung vieler Zeugnisse für einen Verfall der deutschen Sprache sind.
Gestern wurde auf sueddeutsche.de ein Interview mit Rudi Keller unter dem Titel “Goethe fände es funny” veröffentlicht. Darin ruft Rudi Keller zu mehr “Toleranz für Anglizismen und andere Wörter mit Migrationshintergrund” auf und äußert sich zum Thema “Sprachwandel oder Sprachverfall”:
“Seit 2000 Jahren ist literarisch belegt, dass Menschen sich über den Sprachverfall Gedanken machen. Und doch hat noch kein Mensch jemals eine verfallene Sprache vorführen können - so etwas scheint es nicht zu geben. Ich habe bereits vor 15 Jahren ein Buch geschrieben zum Thema “Sprachwandel”. Nebenbei habe ich mich mit dem Thema des sogenannten Sprachverfalls befasst. Meine generelle These ist, dass das, was Menschen aus ihrem begrenzten Blickfeld heraus als Sprachverfall wahrnehmen, im Wesentlichen nichts anderes ist als der ganz normale Sprachwandel. Und wenn man Beispiele für fehlerhaftes Deutsch in einem größerem Rahmen sieht, dann stellt man fest: Es ist nichts verfallen, es hat sich nur verändert - und mit der Zeit fällt es niemandem mehr auf.”
Sowohl der Artikel als auch das Interview sind sehr lesenswert und werfen einen anderen, durchaus erfrischenden Blick auf die Veränderungen in unserer Sprache. Anstatt von Kulturverfall und Sprachverfall zu sprechen, zeigt Keller den ganz normalen Wandel der Sprache auf und wie man ihn positiv sehen kann.
Die Grünen haben eine Kampagne zur Aufklärung der Bürger über Datenschutz gestartet. Teil dieser Kampagne ist die sehr informative Website “Datenschutz ist Bürgerrecht“.
Sofort bei Aufruf der Seite wird man damit konfrontiert, welche Daten man beim Surfen ständig hinterlässt:
Auf der Seite findet sich ein Datenschutz-Blog mit grundlegenden Informationen, sowie ein Datenschutztest, mit dem man sein Wissen über den Datenschutz testen kann. Darüberhinaus wird zu einer Petition gegen das BKA-Gesetz verlinkt. usw.
Eine meiner Meinung nach sehr informativen Seite zu einem Thema, das uns alle angeht und mit dem wir uns alle beschäftigen sollten!